IDOLS

gebrannter Ton, Stein- bzw.
Holzsockel/Goldpappe, Wolle

Höhe der Figuren 15 cm
Höhe der Sockel zwischen 30 und 60 cm
Länge der Schals 380 cm

Idols

In ihren Arbeiten aus den Jahren 2008/2009, den IDOLS, spielt Annette Streyl mit dem Schönheitsideal mittelalterlicher Kunst und knüpft damit gleichzeitig an ihre früheren Strick- und Steinarbeiten an. Die kleinen, aus Ton gearbeiteten Kopien nach Tilman Riemenschneider sind auf steile, treppenartige Postamente gesetzt. Darüber hängt wie ein monumentaler Baldachin ein gestrickter „Fanschal“, der den zierlichen Büsten die Aura einer architektonischen Rahmung verleiht. Riemenschneiders Figuren des Hl. Philippus, Kaiphas, der Maria Magdalena, des Ritter Konrads oder aber der Skulptur der berühmten Uta von Naumburg, die ihrerseits als Sinnbild vollendeter Schönheit gilt, werden so zu modernen Heiligen. Dabei geht es Streyl nicht um die Brechung oder Ironisierung mittelalterlicher Schönheitsideale, sondern um einen durchaus sehr unmittelbaren, persönlichen Anspruch von Nachbildung und Weiterentwicklung. Die eigentliche Verfremdung findet erst durch die Verbindung der gegensätzlichen Materialien Ton, Stein und Strick statt.. Durch das lange Brennen des Tons erzielt die Künstlerin eine ungewöhnlich dunkle, steinartige Patinierung der Figuren, die sich von dem hellen Material der Sockel kontrastreich abheben und so Skulptur und Träger in ein neues Verhältnis setzt. Diese Kombination der perfekten Bildnisbüsten mit den reduziert-sachlichen Treppensockeln, die beinahe eigene konkrete Skulpturen sind, verblüfft. Die Künstlerin zitiert hier nicht nur Riemenschneider, sondern auch sich selbst mit ihren Architekturen in Steintafeln. Auch die zeitgenössischen Skulpturennischen in Form des Strickschals rekurrieren auf eine häufig von ihr verwandte Technik, aber hier mit gänzlich anderem Impetus. Die zeitlosen Schönen und Großen werden plötzlich in zeitgenössische Pop- oder Sportstars verwandelt und erfahren nun eine ganze neue Form der Bewunderung.

Sabrina van der Ley/Petra Roettig

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© copyright: Annette Streyl 2016